Ich wollte eine Partei gründen

In den Siebzigern wurde der Schlagersänger Christian Anders durch den Hit »Es fährt ein Zug nach nirgendwo« zum Star. Nun möchte er seine Popularität nutzen, um die Humanwirtschaftspartei bekanntzumachen.


Einen Vertreter der leichten Muse bringt man wohl eher mit seichten Liedern, als mit wirtschaftspolitischen Sachverstand in Verbindung. Offensichtlich paßt dieser Schlagerstar nicht in diese Schublade.
Christian Anders, 1945 in Österreich geboren, lebt heute in Berlin, hat inzwischen 20 Millionen Tonträger verkauft und über 900 Lieder geschrieben. Was nur wenige wissen: er ist auch engagierter Buchautor und hat sich als solcher intensiv mit den Ursachen von Wirtschaftskrisen auseinander gesetzt. Nach »Der wahre Bankenschwindel« sorgte er 2003 mit »Der Rubel muß rollen« für gehörigen Wirbel. Hier zeigt er die Probleme auf, welche aus dem gegenwärtigen zinsbasierten Geldsystem erwachsen.

150 Millionen Euro Zinsen pro Tag

»Kein Wirtschaftswachstum der Welt kann das exponentielle Wachstum von Zins und Zinseszins ausgleichen... Inzwischen ist eindeutig erkennbar, in welche Richtung der Zug rollt«, so Christian Anders, »aber erst jetzt, angesichts einer Staatsverschuldung von über 1,47 Billionen Euro und einer daraus resultierenden Zinsbelastung von fast 150 Millionen Euro pro Tag wachen die Menschen in unserem Land so langsam auf und begreifen, daß da etwas grundfalsch läuft.«
»Ich möchte diesen Menschen Mut machen: Wenn ein Sänger wie ich sich mit Wirtschaft und Geld befassen und dies verstehen kann, dann kann das auch jeder andere!«
Auf die Frage, warum er am 26. August diesen Jahres in die Humanwirtschaftspartei eingetreten ist, sagt er fast flapsig: »Um die Welt zu verbessern.« Aber dann ernsthaft: »Der heutigen Politik ist jedes Ziel, das sich nicht innerhalb einer Legislaturperiode verwirklichen läßt, zu langfristig! Wir müssen aber endlich wieder in größeren Zeiträumen denken und an das Wohl der kommenden Generationen.« Das Geld muß der Ware gleichgestellt werden. Waren sind vergänglich, Geld muß auch vergänglich sein. Der Apfel fault, das Geld muß auch faulen. Deshalb brauchen wir ein »zinsfreies, umlaufgesichertes Geld«. Es muß an Wert abnehmen, so wie die Ware eben auch, dann wird es in den Umlauf gezwungen.

Keine Geldreform ohne Bodenreform

Natürlich muß man bedenken, daß eine derartige Geldreform augenblicklich dazu fuhren würde, daß sich das Spekulationskapital auf ein anderes, renditeträchtiges Feld konzentrieren würde, nämlich auf Grund und Boden. Schon deshalb muß die Reform des Geldwesens mit einer Reform des Bodenrechts einhergehen, um weitere soziale Ungerechtigkeiten und Konfliktgefahren auszuschließen. Der Boden ist ein unvermehrbares Allgemeingut wie Wasser, Luft und Licht und keine Ware. Mit dem Erbbaurecht werden ja bereits seit 100 Jahren entsprechende Formen praktiziert.
»Ich war schon drauf und dran, eine eigene Partei zu gründen, um dieser Idee des deutschen Sozialreformers Silvio Gesell (1862-1930) endlich mehr schaffen, da lernte ich die Humanwirtschaftspartei kennen, die genau diese Ideen vertritt! Von den Politikern anderer Parteien haben die einen keine Ahnung und den anderen ist das Eisen zu heiß. Auch viele Banker wissen nichts von den Hintergründen der Probleme.« Um seine Überzeugung an das Publikum zu bringen, scheut Christian Anders nicht vor drastischen Worten und Bildern zurück. In seinem Lied »Der Hai« singt er: »... Der kleine Mann ist dumm geboren, hat schon von Anfang an verloren. Ich bin der Hai, ich freß euch alle, denn ihr sitzt alle in der Falle.«

Zinsverbot war christliche Tradition

Auch in der christlichen Tradition haben immer wieder bedeutende Persönlichkeiten ihre Stimme gegen Zins und Zinseszins erhoben. Bereits Papst Alexander III. (1159-1181) schrieb: »Jede Gesetzgebung, die den Zins erlaubt, ist null und nichtig.« Aber auch neuzeitliche Theologen wie Johannes Ude (1874-1965), Dekan der Katholisch-theologischen Fakultät Graz äußerten sich in diesem Sinn: »Wer Zins nimmt, lebt auf Kosten der Arbeit anderer, ohne ihnen für diese Arbeit irgendeine Gegenleistung zu geben. Durch den Zins wird der Gleichwertgrundsatz in schwerster Weise verletzt. Christentum und Zins sind unvereinbar.« Als Christian Anders zum Abschluß des Gesprächs einen <Berliner> bekommt, stellt er erfreut fest, daß das Geld der Zukunft in Berlin bereits kursiert, zinsfrei und umlaufgesichert durch Verfallsdatum.

______________GB

Christian Anders: Der Rubel muß rollen. ISBN 3-8330-0050-3

Berliner Regional - Jg. 1 - Nr. 1

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