Der Zug fährt immer noch nach nirgendwo

Selters-Niederselters. Der Zug fährt immer noch nach nirgendwo, das Schiff der großen Illusionen segelt immer noch auf den sieben Weltmeeren und Schlagerstar Christian Anders, fast 40 Jahre im Showgeschäft, begeistert immer noch seine Zuhörer wie jetzt bei seinen Konzerten in Elz und im Seniorenpark «carpe diem» in Niederselters, wo er nicht zum ersten Mal zu Gast war.
Der adventliche Nachmittag und der vorweihnachtlich geschmückte Raum waren genau der richtige Rahmen, um in Erinnerungen zu schwelgen, die der Sänger, dem anders als vielen seiner Kollegen, seine 60 Jahre nicht anzusehen und kaum anzuhören sind, mit seinen Liedern heraufbeschwor. Leider tat die Technik dem Hörerlebnis einigen Abbruch, und meist wurde er im Dunkeln stehen gelassen. Aber die Freude an seinem Gesang und an der Begegnung mit dem Künstler ließen sich die Zuhörer, die nicht mit Beifall geizten, durch diese kleinen technischen Mängel nicht trüben. Dr. Bernd Weil aus Eisenbach, mit dem Sänger befreundet, führte in das Konzert ein und stellte den Werdegang des Künstlers in den großen Zusammenhang jener Epoche, als der erste Mensch den Mond betrat, Woodstock und «Easy Rider» dem neuen Lebensgefühl der Jugend Ausdruck verliehen.
Vor allem die Hits, mit denen Christian Anders in den 70er Jahren ein Millionenpublikum verzauberte, verfehlten auch diesmal ihre Wirkung nicht. Sei es das unvergessene «Geh' nicht vorbei als wär' nichts gescheh'n», mit dem er 1969 seinen ersten großen Erfolg hatte und die Hitparaden stürmte, oder «Einsamkeit hat viele Namen» oder der erste selbst geschriebene Song «Es fährt ein Zug nach nirgendwo», um nur diese zu nennen - bei fast allen Liedern konnten die Zuhörer mitsingen oder -summen, als ob sie gerade erst gestern auf den Plattenteller gekommen wären. Und heute kaum noch zu glauben, dass «In den Augen der andern» einmal leicht frivol war.
Seit dem «Zug nach nirgendwo» singt Christian Anders fast ausschließlich eigene Kompositionen. Im Laufe seiner langen Karriere, die natürlich auch Tiefpunkte kannte, verkaufte er über 20 Millionen Tonträger, schrieb er über 1000 Lieder und fünf Drehbücher und führte in neun Filmen Regie. Auch einige Bücher hat er veröffentlicht.
Nach seinen Jahren als «Lanoo» in den USA ist er wieder da und begeistert wieder wie früher sein Publikum.
Einige Weihnachtslieder, das beliebte «Sierra Madre» und ein Medley seiner Hits rundeten das Konzert im Seniorenpark «carpe diem» ab, und natürlich wurde er nicht ohne Zugabe - «Das Schiff der großen Illusionen» - entlassen. (uk)
Frankfurter Neue Presse; Printausgabe vom 02.12.2005
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