HUMANWIRTSCHAFT
Zeitschrift für menschliche Markwirtschaft
www.humanwirtschaft.org
36. Jahrgang; Ausgabe Juli/August 2005
Christian Anders über Freiwirtschaft
Interview der Humanwirtschaft mit dem bekannten Schlagersänger Christian Anders, der ein Buch zur Freiwirtschaft geschrieben hat.
HW: Hr. Anders, wie kommt ein Sänger wie Sie auf das Thema Wirtschaft und Geld?
Anders: Das Interesse dafür liegt schon lange zurück. Schon als ich jung war, fragte ich mich: Warum leidet der Mensch, warum gibt es diese ganzen Probleme?
Doch wer sich diese Fragen stellt, der kommt früher oder später auch auf die Ursachen, die in unserem fehlerhaften Geldsystem begründet sind. Deshalb möchte ich auch jedem Mut machen: Wenn ein Sänger wie ich sich mit Wirtschaft und Geld befassen und dies verstehen kann, dann kann das auch jeder andere!
Allerdings nehmen dies Wirtschaftsexperten doch immer wieder verwundert auf. So meinte der ehemalige Deutsche Bank Chef Breuer unlängst über mich, dass ich lieber Lieder singen und das Geldwesen den Fachleuten überlassen sollte. Doch genau das ist der Fehler – weil wir den Fachleuten immer vertraut haben, deshalb sind wir in der heutigen Misere. Vor 2 Jahren habe ich vorhergesagt, dass die Maastricht-Kriterien scheitern werden – nun ist es soweit. Bei einem Privatmann, der sich immer weiter verschuldet – wie unser Staat – würde schon lange der Gerichtsvollzieher kommen.
Ich bin selber, als ich nach der Ursache der Probleme suchte, über Silvio Gesell und die Geschichte der Brakteatenzeit, das goldene Mittelalter, auf die Ursache der Probleme gekommen.
HW: Worin sehen Sie die Ursachen der heutigen Probleme?
Anders: Die Ursache allen Übels sehe ich in unserem zinsbehafteten Geld, das den Erdball wie eine Kralle immer wieder zusammendrückt. Entkommen können dieser Kralle nur diejenigen wenigen, welche vom System profitieren. Das System ist so angelegt, dass immer mehr ausgeliehen wird, als zurückgezahlt werden kann. Jemand nimmt einen Kredit von 100 Euro, soll jedoch nach einem Jahr 105 Euro zurückzahlen. Das muss zu Problemen führen.
Der Zins ist die Ursache für die Kluft zwischen arm und reich. Es würde auch keine
R e l i g i o n s k r i e g e geben ohne die Verarmung durch den Zins. Der weltweite Terror resultiert auch nur aus der hoffnungslosen Verarmung der Leute dort. Wie die Zinseszinsrechnung und das Beispiel des J o s e f s p f e n n i g s zeigen, wird es in diesem System irgendwann einen großen Knall geben. Leider reagiert der Mensch erst, wenn das Chaos da ist. Wie alles vom Geld abhängt, das konnte man in der dreißiger Jahren in Kanada beobachten: Das Land blühte, bis die Zinsen erhöht wurden, dann versank alles in einer Krise.
HW: Wie reagieren die Leute oder die Politiker, wenn sie so etwas von Ihnen hören?
Anders: Die Leute sind erstarrt und fassungslos, wenn ich ihnen sage, wie einfach die Ursachen der Probleme sind. Einer meinte unlängst zu mir: „Da kann man sehen, wie blöd wir sind.“
Bei den Politikern sieht es so aus, dass einige nichts wissen und anderen das Eisen zu heiß ist. Auch viele Banker wissen nichts von den Hintergründen der Probleme. Ich war schon auf Podiumsdiskussionen mit Spitzenpolitikern, von denen einer anmerkte, dass diese Ideen auf Silvio Gesell zurückzuführen seien, was sich jedoch nicht so schnell durchsetzen ließe.
HW: Was sagen Sie zum Euro?
Anders: Meiner Ansicht nach gibt es zwei Gründe, warum der Euro durchgesetzt wurde: Einmal ist er der Preis für die Wiedervereinigung Deutschlands. Ein geeintes Deutschland wäre von der Wirtschaftskraft her zu groß gewesen, weshalb darauf gedrängt wurde, den Euro einzuführen. Zum zweiten konnten einige Leute durch die E u r o – E i n f ü h r u n g einen großen Reibach machen.
Jetzt wurden die Maastricht Stabilitätskriterien a u s g e h e b e l t und das gerade von dem Land, das sie eingeführt hat. Deshalb wird er Euro immer mehr wackeln. Ich sehe ihn im Jahr 2008 kaputt gehen.
HW: Wie kann man die Probleme lösen?
Anders: Die Lösung geht meiner Ansicht nach nur über einen Schuldenerlass und umlaufgesichertes, zinsfreies Geld. Dass dann niemand unbegrenzte Kredite nehmen kann und dafür Sicherheiten bieten bzw. auch eine Bearbeitungsgebühr zahlen muss, versteht sich von selbst.
Was ich auch noch ganz wichtig finde: Das Bodenrecht muss geändert werden. Niemand darf mehr unvermehrbaren Boden besitzen, sondern nur noch von der Gemeinde pachten. Wenn das nicht gemacht wird, dann wird die Einführung von zinsfreiem Geld dazu führen, dass der Boden aufgekauft und unerschwinglich teuer wird. Mit den Pachterträgen könnte sich jede Gemeinde selber finanzieren und wäre unabhängig. Ich nenne hier immer das Beispiel der Grundstücke an der Stadtmauer von Zürich. Hätte man diese nicht verkauft, könnte sich die ganze Stadt aus den Pachteinnahmen finanzieren.
HW: Mit was rechnen Sie in Zukunft, wenn das System so weiterläuft wie bisher – mit Inflation oder Deflation?
Anders: Ich rechne mit einer großen Inflation. Da die Reichen heute das Geld zurückhalten, muss die Notenbank immer mehr drucken, um diesen Verlust auszugleichen. Doch irgendwann kommt dieses gehortete Geld wieder in Umlauf, dann gibt es eine Inflation.
HW: Was meine Sie, wie muss es nun mit der freiwirtschaftlichen Idee weitergehen?
Anders: Es muss eine große Bewegung vom Volk geben. Wir dürfen nicht mehr auf „oben“ vertrauen. Langsam bewegt sich auch etwas, was die Regiogeldprojekte zeigen. Doch wie eine dreistufige Rakete wieder zum Boden zurückfällt, wenn nicht die nächsten Stufen gezündet werden, so wird es nun auch für die Verbreitung der freiwirtschaftlichen Idee Zeit, die nächste Stufe zu zünden.
Christian Anders, geb. 1945 in Österreich, wuchs in Sardinien auf. Seine Karriere als Schlagersänger begann 1969 mit dem Titel „Geh nicht vorbei“, einem Millionenhit, für den er die Goldene Europa und den Silbernen Löwen von Radio Luxemburg erhielt. 1972 folgte sein erster großer Hit, den er selbst komponiert hatte: „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“. Er verkaufte über 20 Millionen Tonträger, schrieb über 900 Lieder, 5 Drehbücher, 16 Bücher, spielte und führte Regie in 9 Filmen, schrieb 2 Musicals, ein Theaterstück. In seinem Buch „Der Rubel muss rollen“ setzte er sich ausführlich mit der Freiwirtschaft auseinander.
DER RUB€L MUSS ROLLEN; 264 Seiten; Verlag Elke Straube; Feb.2003;
ISBN: 3-8330-0050-3; Preis: 19.50 €
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