SCHLAGERINFO - Die Zeitschrift für sie mit Show, Stars & Storys, Nr. 2/05 April-Juni 2005

„Wer mich nach dem Buch noch liebt, der mag mich wirklich“

Zwischen abgründigen Exzessen und sensiblen Erkenntnissen

In Österreich geboren, in Italien und Deutschland aufgewachsen, Gymnasium abgebrochen, Lehre als Elektroinstallateur, begann die musikalische Karriere von Christian Anders in GI-Clubs der Amerikaner in Nürnberg und dem „Alpenhof“ in Garmisch. Der Münchner Musikverlag Karl-Heinz Busse gab ihm 1966 den ersten Plattenvertrag. Der Titel „Geh nicht vorbei“ brachte ihm 1969 den Durchbruch. Ein Exzentriker mit einer sagenhaften Karriere, ein kreatives Multi-Talent mit vielen Hochs und Tiefs – mit abgründigen Exzessen und sensiblen Erkenntnissen.

SCHLAGERINFO im Gespräch mit Christian Anders

Sie sind dieses Jahr am 15. Januar 60 geworden. Wie fühlen Sie sich?

Anders: Streichen wir die Null weg, ich versuche immer noch, erwachsen zu werden.

Die Journalistin Liselotte Millauer hat eine autorisierte Biografie über Sie geschrieben. Wie unterscheidet sich das gerade herausgekommene Buch „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ über ihr Lebenswerk von den derzeit gängigen Biografien (Dieter Bohlen, Bernhard Brink, Udo Jürgens & Co)?

Anders: Liselotte Millauer hat nicht nur geschrieben, was ich ihr erzählt habe, sie hat auch analytisch geschrieben; erschreckend, was an Höhen und Tiefen heraus gekommen ist. Das Buch ist für mich ein weiterer Schritt zur Selbstfindung. Wer mich nach dem Buch noch liebt, der mag mich wirklich. Zu Bohlen ist zu sagen, dass er ein Beispiel ist für 100 Prozent Willen und Null Talent.

Bürgerlich heißen Sie ja Antonio Augusto Tenicolo. Ihr Vater war Italiener, Ihre Mutter Deutsche. Wie kamen Sie überhaupt zu dem Namen Christian Anders?

Anders: Meine erste Musikverlegerin blätterte in einem Telefonbuch. Ich sei „einfach anders“, meinte sie. So bekam ich den Namen Christian Anders. Mein Vater war übrigens Konsul in Sardinien, als meine Mutter sich scheiden ließ, war das ein Schock für mich, als ich dann mit zehn in einer Baracke leben musste.

Sie haben unter anderem an die 900 Titel angemeldet, über 20 Millionen Platten verkauft, was ist ihr persönlicher Favorit?

Anders: Das ist ein Lied, das ich nicht selbst geschrieben habe, nämlich: „Maria Lorena“, die Musik stammt von Joachim Heider, der Text ist von Joachim Relin.

Lampenfieber, beschreiben Sie die Situation.

Anders: Ach – ich hab auf dem Klo mehr Lampenfieber als auf der Bühne.

Nach dem Zusammenbruch ihrer Karriere sind Sie 1987 nach Los Angeles geflüchtet, haben sich als „Lanoo“ der Esoterik zugewandt. Welche Rolle spielt der Buddhismus heute für Sie, was haben Sie aus diesen Jahren ins 21. Jahrhundert hinüber gerettet?

Anders: Es hat sich auf ein Mittelmaß eingependelt. Ich lese jeden Tag einiges von Buddha. Es hilft mir das Leid der Welt besser zu ertragen. Kein Pfarrer konnte es mir erklären.

Waren Sie schon immer religiös? – Auch manche ihrer Stücke haben einen hymnischen Charakter, z. B. „Du bist mein Leben“.

Anders: Ja, schon. Seit meinem 16. Lebensjahr beschäftige ich mich mit Esoterik.

Sie waren ganz oben, als Ihre Karriere zerbrach. War das Leben als Lanoo eine Flucht?

Anders: Alles ist selbst erzeugt. Alles, was ich jetzt tue, fällt auf mich zurück. Wobei ich nicht soweit gehe, dass ich sage, so- und so viele tausend Kinder in Indien müssen hungern, weil sie ein schlechtes Karma haben.

Muss man im Showgeschäft kaputt gehen? Erinnern Sie sich an Ihre Höhenflüge, Ihre Abstürze, Ihre Exzesse?

Anders: Ich hatte an die 2000 Frauen – von Soraya bis zur Putzfrau. Geld hab ich für Projekte ausgegeben, für teure Produktionen, ich hab Häuser gekauft, manches verspielt... Man denke nur an die Verdummungszentrale Stefan Raab. Wer heute im Showgeschäft was kann, ist suspekt. Jeder Arsch kriegt einen Plattenvertrag.

Sänger, Texter, Karatelehrer, Schauspieler, Buchautor, etc. was hat bei Christian Anders eigentlich die Oberhand?

Anders: Im Augenblick ist alles gleichwertig, ich fahre zweigleisig, singe auch als „Lanoo“ mit dem Sitarspieler Raja esoterische Lieder. Sehr wichtig ist mir auch ein Buch, das ich geschrieben habe. „Der Rubel muss rollen“ – hierin stelle ich fest: Die Wurzel allen Übels auf der Welt ist der Zins.

Gibt es einen typischen Christian Anders Fan?

Von fünf Jahren bis zu 80 Jahren ist alles dabei. Die Menschen kommen, um die alten Hits zu hören.

Wie entspannen Sie sich?

Anders: Ich meditiere, wie in „Seelenatem-Meditation“ beschrieben. Täglich 15 bis 20 Minuten reichen; Telefon abstellen, Augen zumachen und sich selbst beobachten. Hierbei entdeckt man sein wahres Selbst; es ist ein nahezu mystisches Erlebnis.

Äußern Sie sich zu den Begriffen „Erfolg“ und „Glück“.

Anders: Erfolg – nach einem Auftritt stürzt man wieder in ein tiefes Loch. Glück – Wahres Glück ist unabhängig von Personen und Dingen.

Wenn nicht in dieser Zeit – wann hätten Sie gern gelebt?

Anders: Ich überleg mal. In einer Zeit, als die Menschen noch unter den Engeln waren, als die Körper der Menschen feinstofflich waren.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Anders: Lass los.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Anders: Es gibt ein Musical, das fix und fertig ist: „Die Mauer“, eine politische Love-Story. Außerdem arbeite ich an einer neuen CD, mein Arbeitstitel „Explosive Leidenschaft“.

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