Rheinzeitung Koblenz, 12. März 2005

Anders denkt anders als andere

Der Sänger hat seine ganz eigenen Vorstellungen: Mit dem Bush-Hitler-Vergleich handelte sich der „Burgkönig“ Ärger ein

Er stellt die Evolutionstheorie in Frage und wittert hinter der Flutkatastrophe in Südostasien heimliche US-Atomtests: Der Gedankenzug von Christian Anders fährt längst nicht mehr ins Nirgendwo. Auf seiner Homepage philosophiert der Schlagersänger mit Wohnort Bendorf über Gott und die Welt. Leicht bizarr, meist harmlos, bisweilen aber auch hoch explosiv. Jüngstes Beispiel: Ein Bush-Hitler Vergleich, der Anders nun um seinen Auftritt bei der SRW-4-Schlagerparty in Weißenthurm gebracht hat.


Für eine Vereinigung der Weltreligionen tritt der Sänger, Autor und Weltverbesserer Christian Anders ein. Ob er deshalb nach Bendorf gezogen ist, wo die St.-Medard-Kirche die Katholiken und Protestanten unter einem Dach zusammenbringt?

BENDORF. Die blonde Mähne zum Pferdeschwanz zusammengebunden, schlürft Christian Anders in einem Bendorfer Cafè an seinem Cappuccino. Der „Zug nach Nirgendwo“ ist also endlich angekommen. Seit einigen Jahren hat der in die Jahre gekommene Schlagersänger seine Zelte in der beschaulichen Rheinstadt aufgeschlagen. In seiner Wohnung in der Bendorfer Innenstadt sitzt er dann auch bisweilen am Computer, verfasst die Kolumnen für die eigenen Homepage www.christiananders.de, auf der sich auch die Inkarnation des Sängers zu einem leicht bizarren Missionar mit Weltverbesserungsambitionen offenbart. „Darwin irrt!“ heißt es da unter anderem. Denn für Christian Anders ist es ganz klar, dass der Affe vom Mensch abstammt – und nicht umgekehrt.

Als „literarischer Rebell“ fordert er eine neue Weltwährung – nach einem globalen Schuldenerlass -, sagt schon einmal den nächsten Papst voraus und erklärt ganz offen, dass er die Anschläge auf das World Trade Center schon lange vor dem Flugzeugattentat vorhergesagt hat. Die Wurzel allen weltlichen Übels fast der Mann mit dem blonden Pferdeschwanz, der jüngst zum ProSieben-Burgkönig gekürt wurde, kurz im Konflikt der Religionen und der Macht des schnöden Mammons zusammen. Nicht jeder mag sich dieser Gedankenwelt anschließen. Richtig gefährlich klingen die Visionen des Bendorfer Barden aber nicht. Eher wie Träume eines Illusionärs, der glaubt, der sich vielleicht dazu auserkoren fühlt, die Welt retten zu müssen. Und dabei – emotionsgeladen und unbedacht – auch schon einmal über sein Ziel hinausschießt.

So geschehen in den jüngsten Ergüssen, die Christian Anders zunächst in den Sinn, dann in die Feder und kurze Zeit später auf seine Seiten flossen. Bush (sein Feindbild Nr. 1) unterzog er einem Vergleich mit Hitler. Anders’ Pech: Ein (für seine nicht selten minder derben Vergleiche bekannter) Spiegel-Autor jüdischer Abstammung stieß auf dieses Zitat und verfasste seinerseits eine Kolumne. Mit dem Resultat, dass Christian Anders am Samstag nicht bei der SWR-4-Schlagerparty in Weißenthurm auftreten darf und auch ProSieben seine Gala zum RedNose-Day nunmehr ohne den Schlagerstar der 70er Jahre geplant hat.

Doch ist Anders tatsächlich ein Antisemit? Ist er größenwahnsinnig? Ein rechter Propagandist? „Mein Opa war Jude. Wir sind vor den Nazis nach Italien geflohen. Meine Frau ist Jüdin. Ich und ein Antisemit? Das ist absolut lächerlich. Ich liebe alle Menschen. Aber ich behalte mir auch Kritik an allen Menschen vor“, sagt der gebürtige Österreicher selbstbewusst. Und wer mit Anders dann näher ins Gespräch kommt, glaubt ihm das gern. Seine Verschwörungstheorien, die er den Weltbanken, den Amis, der Politik andichtet, mögen wirklich abstrus klingen, eine Affinität zum braunen Neo-Nazi-Sumpf verbergen sie sicher nicht. Und ganz schnell hat sich Anders so auch wieder von seinem Hitler-Vergleich distanziert: „Das war natürlich in der Form extrem und auch überspitzt. Selbst wenn Bush ein schlimmerer Finger ist, als es sich die Welt vorstellen kann.“ (agh)

Journalistin: Frau Herrmann

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