Musical "Es fährt ein Zug nach nirgendwo"

Trashical von Thomas Hermanns nach dem Musical “Der Untergang von Taro Torsay" von Christian Anders

Noch bis zum 13. Januar

jeden Samstag

im Admiralspalast

Friedrichstraße 101, 10117 Berlin

 Karten

 

Erleben Sie einen Abend ohne Reue, eine Zeitreise in die tiefsten Abgründe des deutschen Schlagers, ein Suhlen in Clogs und Clearasil, Pullundern und Petting, verfasst von Deutschlands einzigem multimedialen Schlagerstar Christian Anders.

THOMAS HERMANNS Show „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ nach einem Musical von Christian Anders beweist, dass Christian Anders nach Joseph Beuys der zweite große deutsche Konzeptkünstler der 70er Jahre war – ein Pop-Wagner zwischen Genie und Wahnsinn. Und so jemanden brauchen wir in einer Zeit uninspirierter kultureller Dürre dringend wieder – und zwar jeden Samstag um 24 Uhr.

Quelle: Admiralspalast

Thomas Hermanns und Christian Anders im Admiralspalast


Foto: JensKalaene dpa/lbn

 

Christian Anders – das verkannte Genie

Laudatio von Thomas Hermanns

Es ist erstaunlich, dass bis heute das Werk eines Künstlers, das so vielschichtig ist wie das von Christian Anders, immer nur einer kleinen Gruppe von Verschworenen bekannt und vertraut ist. Mancher kennt sicherlich den einen oder anderen Popsong aus der Zeit, als jene noch abfällig „Schlager“ genannt wurden, aber wer erwähnt das schriftstellerische, wer das filmische Werk dieses Multitalents?

Christian Anders hat vor keiner Form und keiner Thematik haltgemacht. Dramatische Großstadtschicksale und Todesfälle („Der letzte Tanz“, 1974), die Leiden junger Mädchen („Verliebt in den Lehrer“, 1975) und die existenzialistische Leere („Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“) werden interessant kontrastiert von der nachsichtigen Güte seines schriftstellerischen Ouevres („Der Brief“, Bravo Roman 1975) und er komponiert eine Malibu Symphonie.

Überraschend in seiner Konsequenz ist jedoch der gnadenlose Realismus seines filmischen Werkes.

Ganz „Auteur“ im Sinne des Avantgardekinos der 70er Jahre, führt er in der Personalunion von Regisseur, Autor und Hauptrolle in Filmen wie „Brut des Bösen“ (1978) das Leben vor wie es ist. Liebhaber des Filmes werden nie die Szene vergessen, in der Dunja Raiter sich als heroinsüchtige Prostituierte auf Ibiza den Goldenen Schuss setzt – unter dem zynischen Blick ihres pygmäischen Zuhälters. Da bedarf es schon der moralischen Integrität von Frank Mertens (C.A.), dem deutschen Karatelehrer aus Frankfurt, um diese Hölle der Luxusinsel unbeschadet zu überstehen. Das Inselthema wird wieder aufgegriffen in Anders’ opulentester und freizügigster Arbeit „Die Todesgöttin des Liebescamps“ (1980), von Fans auch liebevoll „Die Liebesgöttin des Todescamps“ genannt. Hier arbeitet Anders erstmals mit einer internationalen Starbesetzung – nach harten Verhandlungen war es ihm gelungen, Laura Gemser, die kurz zuvor in „Black Emanuelle“ weltweit triumphiert hatte, zu gewinnen. Zypern ist hier das Stichwort, wieder eine Insel der Sünde, der Lust und der fehlgeleiteten Sektenanhänger, die Spiritualität suchen und doch nur die Leere finden. Bis zum heutigen Tag ist Anders’ filmisches Werk chronisch unterschätzt, und in Retrospektiven sucht man seinen Namen vergebens unter den Kluges, Fassbinders und Wenders.

Lieder wie „Violence“, „Jane“ oder „Das Schiff der großen Illusionen“! Die grandiose Coverversion des Elvis Klassikers „In the Ghetto“ – „In Chicago“! Beliebte Schauspieler, die seinen Texten die Stimme leihen wie Friedrich Schütter! Und eine Handlung, in der alle Anders Themen fast exemplarisch noch einmal auftauchen: Liebe, Sex, Hass, Gewalt und – Musik!

Ein Kritiker hat mal geschrieben, Christian Anders wäre der deutsche Elvis. Ich möchte hinzufügen, Anders ist Elvis und Andy Warhol, Musikalität und Konzept in einem, ein Künstler, der ein einzigartiges, oft verstörendes, aber nie kompromissbereites Gesamtkunstwerk hinterlassen hat.

Quelle: Admiralspalast

 

Die erste Reaktion nach der Premiere:

Der Tagesspiegel, Ausgabe von 13.11.2006:
"Es ist Schund, Baby"

Als ernst gemeintes Musical floppte das Stück von Ex-Schlagerkönig Christian Anders. Jetzt ist „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo…“ als total überzogenes Trashical zurück auf der Bühne – und wird begeistert gefeiert

Von Matthias Oloew

Bei der zweiten Zugabe – es ist mittlerweile kurz nach halb zwei Uhr früh –, wird das erste Mal live gesungen. Christian Anders greift zur Gitarre und will seinen Hit „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ intonieren. Bevor er loslegt, soll aber das Publikum singen. „Erst mal nur die Frauen“, sagt Anders, doch auf seine Aufforderungen dringen nur ein paar dünne Stimmen bis auf die Studiobühne des Admiralspalasts. „Ich habe vergessen“, sagt er trocken, „dass heute kaum Frauen im Saal sind“. Die Mehrheit der Zuschauer sind Männer, und deren Chor ist dann auch erstaunlich vielstimmig. Anders ist zufrieden und legt los: „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo...“

Das ist auch der Titel des Trashicals in der Regie von Comedy-Star Thomas Hermanns, dessen Premiere er zusammen mit vielen Gästen im ausverkauften Haus in der Nacht zu Sonntag feierte. Eine Uraufführung ist es allerdings nicht, denn Hermanns hat seine Voll-Playback-Parodie schon 1986 aufgeführt. Damals, so ist anzunehmen, wesentlich unprofessioneller als heute, dafür aber mit ihm in der Hauptrolle. Diesmal führt er nur Regie. „Ich hätte nie gedacht“ sagt Hermanns, „dass mich diese Produktion einmal über mehr als 20 Jahre begleiten würde“.

Das hätte auch Christian Anders vermutlich nie gedacht. Er lieferte mit seinem Musical „Taro Torsay“ die Grundlage für die Parodie. Das Musical war ein großer Flop, das Trashical hingegen ein Erfolg. Dabei hat es vermutlich nicht allzu viel Umarbeitungskunst bedurft, um aus dem Original eine Lachnummer zu machen, angesichts solcher Song-Textzeilen: „Jane, Jane, Jane – was wird geschehn?“ und „Ja, wir sind, was wir sind, doch was sind wir bloß?“ Anders scheute sich auch nicht, aus dem Elvis-Klassiker „In the Ghetto“ eine deutsche Fassung zu texten: „In Chicago“. Dort spielt „Taro Torsay“, die Geschichte eines Gossenkinds, angesiedelt irgendwo zwischen Mafia, Showbiz, Liebe, Hass und Verzweiflung.

Die ganze thematische Bandbreite des deutschen Sangesguts also. Hermanns peppt die Vollplayback-Show aber noch zusätzlich auf, etwa durch Essenzen aus den Hits von Andrea Jürgens („Dabei liebe ich euch beide“) und Mireille Mathieu („Tarata-Ting, Tarata-Tong“), immer begleitet von Szenenapplaus des Publikums. Das hat sichtlich seinen Spaß, wenn Szene-Star Ades Zabel den Taro Torsay gibt, in Schlaghosen, die deutlich breiter als seine Schultern sind. Interessant ist, dass trotz des sehr hübsch zelebrierten Dilettantismus in der Show den beiden Frauen im Ensemble (Sandra Steffel und vor allem Antje Brameyer) anzumerken ist, das sie Show-Profis sind und eine Ausbildung genossen haben. Nicht nur darauf stoßen die Premierengäste beim nächtlichen Premieren-Stehrumchen im Foyer an – natürlich stilecht mit Sekt, bei Käseigel und Wackelpudding. Und natürlich Schlager-Musik.

Um einen solchen Abend zu mögen, sollte man den deutschen Schlager entweder lieben oder wenigstens hassen. Oder beides. Das wäre ideal.

Weitere Termine: 18. und 25. November, im Dezember am 2., 9., 16., 23., und 30.12., sowie 6. und 13. 1. 2007, jeweils 24 Uhr im Admiralspalast-Studio. Eintritt: 19 Euro plus Gebühren

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