Harold Pinter!

Die Sächsische Zeitung und sicher nicht nur die veröffentlichte am 08.Dezember 2005 folgenden Artikel zur Nobelpreisrede des diesjährigen Preisträgers Harold Pinter:
Scharfe Worte
Nobelpreisrede. Harold Pinter nennt US-Politik verbrecherisch und infam.
Der diesjährige Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter (75) hat den USA gestern systematische Verbrechen mit hunderttausenden Toten und der brutalen Unterjochung zahlreicher Staaten vorgeworfen. Der krebskranke britische Dramatiker sagte drei Tage vor der Verleihung der Nobelpreise in Stockholm in einer auf Video abgespielten Rede über die Politik Washingtons nach dem Zweiten Weltkrieg: "Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig." Die Invasion im Irak stufte Pinter als "Banditenakt" sowie einen "Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus" ein, bei dem der Tod von mindestens 100000 Irakern für US-Präsident Bush und den britischen Premierminister Tony Blair eine "bedeutungslose Lappalie" sei.
Keine Reise nach Stockholm
Der Autor hatte seine Rede am Wochenende unmittelbar vor seiner Einlieferung in ein Londoner Krankenhaus in einem TV-Studio eingespielt. Schon vorher hatten Ärzte ihm für Sonnabend die Teilnahme an der Verleihungszeremonie mit dem schwedischen König Carl XVI. in Stockholm verboten.
Pinter sagte in seiner einstündigen Rede, die USA hätten zahlreiche Länder durch eine Strategie der "asymmetrischen Kriegsführung" ("Low Intensity Conflict") unterjocht. Auch dabei seine Tausende Menschen gestorben, aber nicht auf einen Schlag wie mit einer Bombe. "Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut, wie der Faulbrand erblüht", so Pinter. Der Nobelpreisträger verlangte wegen der Irak-Invasion einen Kriegsverbrecher-Prozess gegen US-Präsident Bush und den britischen Premierminister Blair vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.
Dem mit Theaterstücken wie "Der Hausmeister" (1960) berühmt gewordenen Dramatiker war der mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotierte Nobelpreis im Oktober zuerkannt worden. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung damit, dass Pinter "in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt hat und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen ist". (dpa)
Sächsische Zeitung; 08.12.2005 Printausgabe
Ist dazu noch ein Kommentar notwendig? Ich glaube doch sicher nicht, liebe Leser. Außer: ICH GRATULIERE HAROLD PINTER, UND ZWAR NICHT NUR ZUM NOBELPREIS!!!
Christian Anders
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