Krenz, die Pfeife

Ich war entsetzt, enttäuscht, angeekelt, wütend, zynisch, von großem Widerwillen erfüllt, aggressiv, nervös und anklagend zugleich.

Vor wenigen Tagen hat Sandra Maischberger diese Pfeife Egon Krenz interviewt. Da sitzt er also, der Mann, der (mit anderen) Hauptverantwortlicher für die Erschießungen an der Mauer war, der ehemalige Erste Sekretär des Zentralrates der FDJ, das ehemalige Mitglied des Staatsrates der DDR und der ehemalige Vorsitzende des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, eben derselbe Mann, der im Juni 1989 zur blutigen Niederschlagung des Studentenaufstandes auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking sich folgendermaßen geäußert hatte: „Endlich ist etwas getan worden, um die Ordnung wiederherzustellen.“

Wo ist die Gerechtigkeit? Warum ist dieser Mann nicht ebenso tot wie jene Flüchtlinge, deren Erschießung an der Mauer er selbst angeordnet hat und zu verantworten hatte? Zahl mal eine Weile Deine Steuern nicht, da kommst’e gleich in den Knast mit Kinderschändern und Mördern. ABER SEI VERANTWORTLICH FÜR ERSCHIESSUNGEN VON MENSCHEN und Du kommst in den Luxusknast in Berlin Plötzensee, wo du beim Duschen keine Angst haben musst, wenn du dich bückst, um die Seife aufzuheben.

Und was geschah? Und was geschieht? Krenz wird zwar wegen Totschlags (UND ZWAR ZU RECHT, ich aber sage es war kaltblütiger Mord) zu einer Haftstrafe von 6 Jahren und sechs Monaten verurteilt, kommt nach 18 Tagen wieder frei, wird am 24. Januar 2000 wieder eingelocht in den Urlaubsknast Plötzensee, wo er sich angstfrei beim Duschen nach der Seife bücken darf und wird dann am 18. Dezember, nach vier Jahren Strafvollzug wieder aus der Haft entlassen. „Ich freue mich, Weihnachten zu Hause verbringen zu können!“ sagt Krenz. Nun Egon, du Pfeife, über 200 Maueropfer können sich nicht mehr freuen, Weihnachten zu Hause verbringen zu können. DIE SIND TOT, UND ZWAR AUCH DEINETWEGEN!

Und Sandra Maischberger? Was macht sie? Eben dieselbe Sandra Maischberger, die mich in Los Angeles unter der Brücke aufgabelte und die dort mit ihren Fragen an mich wirklich nicht zimperlich war. Was macht also Sandra Maischberger, wo sie doch jetzt endlich mal einen der großen Politmörder der Deutschen Geschichte vor der Mündung ihrer Kamera hat? Nutzt sie die Chance? Hinterfragt sie mal ganz direkt und radikal, um so der Pfeife Krenz wenigstens EIN WENIG die Schamesröte ins feiste Mördergesicht zu treiben? MITNICHTEN. Sie labert ihn mit nur im Ansatz kritischen Plattitüden voll. Ich hätte den Mann erst mal mit einer schallenden Ohrfeige begrüßt und gesagt: „Guten Tag, lieber Mörder Egon Krenz, sie alte Pfeife! Diese Ohrfeige gab ich ihnen im Namen aller damaligen Unterdrückten in der DDR, und auch im Namen der in ihrem Auftrag an der Mauer ermordeten Menschen und deren trauernden Angehörigen!“

ABER NEIN. Heute hätte man ja die Mauer wieder gerne aufgebaut und zwar noch fünf Meter höher. Und im Zuge dieses grimmigen Sinneswandels ist es dann wohl auch in Ordnung - ja sogar IN und modern - einen ehemaligen DDR Mörder vor die Kamera zu holen und so zu tun als wäre nichts gewesen. Ach Sandra, Du hast wohl DEM KANZLER etwas zu lang und zu tief in die Augen gesehen?? Da ist Dir dann der letzte Biss Deiner schönen Zähne abgegangen. Du bist jetzt halt moderat und angepasst UND SO IN!!

Und wie haben damals die Menschen gewütet, als die Mauer noch stand!!! Wenn wir Euch Schweine da oben erst mal kriegen, dann werden wir euch etc., etc., etc!!! Und jetzt? UND JETZT???!! Die Menschen sind so GLEICHGÜLTIG GEWORDEN. Ich glaube, man könnte heute sogar Hitler persönlich interviewen und dann zu dem Schluss kommen: DER KERL IST EIGENTLICH HIP! Und so schlimm war es doch gar nicht, was da früher geschehen ist, WENN ES DENN überhaupt geschehen ist?? Aber das Ganze hat Methode. ZUR VERANTWORTUNG gezogen wird heute niemand mehr. Man redet sich heraus aus allem, (vom kriminellen Telecomboss bis zum Mörder Krenz), so wie es die Pfeife Krenz bei Maischberger getan hat. ER hat SIE vorgeführt, und nicht umgekehrt. Ich wette der arbeitslose Egon Krenz hat sich jetzt einen Manager beschafft, der ihn bei Politpartys revoluzzender Nachgeburten und angepasster Möchtegernkommunisten für gutes Geld vermittelt. Das hat zwar sein gutes, weil so der Egon wenigstens von der Straße kommt, aber der Nachteil davon ist, dass ich seine Fresse dann wohl noch öfters im Fernsehen erdulden muss. Aber Gott sei Dank gibt es ja Fernbedienungen.

Oder noch besser: Ich geh’ wieder in die Wüste, dorthin, wo man eigentlich hätte die Pfeife Krenz hinschicken sollen. Von dort grüßt euch dann euer einsamer Rufer

Lanoo (Christian Anders)

JA, HÖRT MICH DENN KEINER???HALLOOOOO!!!

 

P.S.

Ach, man vergisst ja so schnell.

Im Fernsehen sah ich neulich einen Bericht über eine Umfrage bei Ostberliner Schülern bezüglich Honecker, Mauer etc.
Die meisten wissen nichts mehr über SED, Honecker, Mauerbau etc.

Ihre Ostberliner Lehrer gaben an, keine Zeit gefunden zu haben....

Welche Verdrängung findet denn hier statt?

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