G'münder Tagespost, 26.April 2004
Buchvorstellung: Vom Schlagersänger zum Buchautor – Christian Anders kämpft gegen Zinsen
Ein Albtraum für alle „Bänker“.Nichts weniger als die Lösung aller wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme bietet der einstige Schlagersänger Christian Anders in seinem Buch „Der Rubel muss rollen“ an. Im Landgasthof Hölzle in Weilerstoffel weihte er sein Publikum durch eine Buchvorstellung in seine finanziellen Vorstellungen ein.
VON ANJA JANTSCHIK
Waldstetten-Weilerstoffel
Aus dem blonden Sänger, der mit „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ und „Geh nicht vorbei“ ein Millionenpublikum in den 80-ern begeisterte, ist ein kritischer Schriftsteller geworden. Christian Anders machte bei seiner Buchvorstellung deutlich: „Es genügt nicht mehr, nur Schlagersänger zu sein.“ Die blonden Haare trägt er mittlerweile lang, der Zopf wird vom Gummiband gehalten. Als bekennender Buddhist hat Anders seine Weltanschauung komplett umgekrempelt – und betrachtet das Leben nunmehr als kritischer Zeitgenosse.
Sein Publikum im Saal des Hölzle forderte er überzeugend, charmant und auch so manches mal spitzbübisch auf, sich aktiv in das Zeitgeschehen einzumischen. „Die Zeit ist reif“. In seinem Buch „Der Rubel muss rollen“ bezeichnet er Zinsen für einen aufgenommenen Betrag als Krebsgeschwür der Wirtschaft. Zinsen seien verantwortlich für Arm und Reich – und für die unsichere wirtschaftlich Lage. Denn anstatt das Geld auszugeben werde es von den Reichen gehortet. Geld müsse aber im Kreislauf bleiben.
„Wenn unser Körper die Nahrung nicht gleich wieder verdaut, bekommen wir Verstopfung und werden krank.“, beschreibt er seine Geldtheorie. Daher spricht sich Anders für ein Ablaufdatum für Geld aus. „Das Geld muss ausgegeben werden, sonst verliert es täglich an Wert.“ In Kanada gebe es bereits den „Gogo-Dollar“, von Kaufleuten eingeführt. So bleibe das Geld im Umlauf. Und auch eine Gemeinde in Tirol habe sich 1932 durch eigenes Geld mit Verfallsdatum aus der finanziellen Misere gerettet. Ganz zu schweigen von einer Bank in Leipzig, die den Zinsen mittlerweile entsagt habe.
Der einstige Schlagersänger entführte auch ins Mittelalter, erinnerte daran, dass die Zinsen erst ab dem 14. Jahrhundert durch die Juden eingeführt wurden. Antisemitismus wies er hierbei von sich: „Mein Vater ist jüdischer Abstammung“. Fakt sei es jedoch, dass die Juden keinem Handwerk nachgehen durften und sich so als Geldverleiher ihren Lebensunterhalt verdienten. Anders forderte, dass die Bundesbank unter Aufsucht der Bürger gestellt werden muss – „wir schulden uns mittlerweile unser eigenes Geld.
Verfallsdatum für Geld – wie auch für Ware, die Abschaffung von Zinsen auf der ganzen Welt – so das Buchthema. Doch ließ er auch sein Publikum musikalisch nicht darben, griff zur Gitarre und setzte sich anhand von Noten in den „Zug nach nirgendwo...“
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