Waiblinger Kreiszeitung, 17. Januar 2005

Christian Anders in Jux – oder: Es kam ein Star von irgendwo

Multi-Talent Christian Anders („Es fährt ein Zug nach nirgendwo“) feierte am Samstagabend in Spiegelberg seinen 60. Geburtstag

Von Michael Riediger

Spiegelberg

Irgendwo da draußen gab’s mal diesen deutschen Schlagerstar, Christian Anders. In den 60ern Karatelehrer, Autor (für Bravo oder den Jerry-Cotton-Verlag), Rausschmeißer, Fotomodell und noch so manches; 1972 ein Hit („Es fährt ein Zug nach nirgendwo“) und viele weitere, 17 davon auf Platz eins in Deutschland. Nach Auftritten in der ZDF-Hitparade setzte Anders 30000 Platten an einem Tag ab, schrieb die Musik selber, später auch die Texte, Musicals, Hörspiele, eine Sinfonie, ein Theaterstück zur Aids-Problematik.

Dann stieg er plötzlich aus, wohnte in Marbella bei Sean Connery, weilte jahrelang in den USA, wurde dort Buddhist und schlief unter Parkbänken. Jetzt kehrte Anders nach Deutschland zurück, um da weiterzumachen, wo er aufgehört hatte. So mehrgleisig wie eh und je. Nennen wir hier nur einige seiner momentanen Beschäftigungen und Namen. Da wäre etwa der Schlagersänger Christian Anders oder der Esoteriker Lanoo (der Schüler), der mit einem Sitarspieler auf Tour zu gehen plant. Und da wäre der Internet-Kolumnist und Autor, der „Rufer in der Wüste“, wie er sich auf seiner Homepage nennt, der „Literarische Rebell“, so der Titel eines Buches über ihn, der ständig kontroverse Meinungen vertritt, die nächste Flutkatastrophe prophezeit, Darwins Lehre umdreht (der Affe stamme vom Menschen ab) und die aktuelle Wirtschaftslage als Inflation analysiert, „bis in die Haarwurzeln entsetzt über Beschlüsse unserer Politiker oder andere Gefahren für unser Land“, so seine Verlegerin Elke Straube.

Kein Jux mit Jux
Und dann taucht dieses Multi-Talent, diese Lichtgestalt – dieser große Künstler, so seine Verlegerin – ausgerechnet bei uns in der Gegend auf. Und es ist die Zeit gekommen, konkret zu werden: Spiegelberg, Ortsteil Jux, Samstag 19 Uhr. Vor dem Cafè Schönblick, Dorfplatz 1, parken Autos mit Berliner und Dresdner Kennzeichen. Drinnen wimmelt und wuselt es vor Leuten, die prominent oder ganz kurz davor zu schein scheinen, und anderen, die diesen unvergesslichen Moment auf Foto und Film festhalten: den Abend, an dem Christian Anders, der Erich Däniken der deutschen Schlagerszene, in Spiegelberg-Jux zur Pressekonferenz lädt. Dort wurde die örtliche Halle mit Anders-Fotos und Tischen, an denen seine Bücher und Platten ausliegen, zur Anders-Ausstellung umfunktioniert und für ein Konzert mit der Gitze Roadshow aus Ludwigsburg gebucht. Und das alles an Anders 60. Geburtstag, den er, kein Jux, eben dort zu feiern gedenkt.

Warum ausgerechnet in Spiegelberg? Keine Ahnung, sagt Anders. Und lässt dafür Namen ohne Ende fallen: die diverser Kanzler und Minister, mit denen er irgendwie ernste Gespräche führte; die diverser Schauspieler und Sänger, die seinen Lebensweg irgendwo kreuzten; Leonard Bernstein, der seine klassische Sinfonie dirigierte; den von Dieter Bohlen, den „Helden aller Nichtskönner“ (O-Ton Pressekonferenz), den er einst als Produzent abgelehnt hat, weil er dessen Stimme zu schlecht fand; schließlich den Namen seines Vaters, eines Konsuls in Sardinien mit Sitz in Frankfurt, und seiner Großmutter, einer Baronesse. Ist er am Ende ein Baron? Trägt er deshalb diese barocke Weste zur Pferdeschwanz-Frisur? Die Fragen mehren sich, statt sich zu klären.

Dass Christian Anders auf konkrete Fragen oft keine Antwort weiß, etwa die des Bezugs zu Spiegelberg, wundert freilich kaum angesichts einer derart prallen Biografie. Seine Beziehung zu Baden-Württemberg sei eher locker, er habe mal mit Oskar Lafontaine in Baden-Baden über das Zinsproblem gesprochen, aber sonst? Freilich, zu Ludwigsburg gebe es Kontakte, wegen der Gitze-Roadshow und des Buchladens Litera Freak, wo er Lesungen hatte. Anders Verlegerin Elke Straube aus dem sächsischen Geising ergänzt, die Gemeinde Spiegelberg habe die Halle „von sich aus“ angeboten.

Was Bürgermeister Uwe Bossert später dem Berichterstatter gegenüber relativiert: Der Anfrage, die Juxer Halle zu buchen, sei stattgegeben worden, freilich gegen Bezahlung. Er sei somit kein Fan von Anders, wie dies mancher nach oben zitierter Behauptung hätte glauben können, fühle sich freilich durchaus geehrt ob des prominenten Besuches.

Dieser Mann ist Anders...
Geehrt fühlte sich der Anders-Anhang ob eines Artikels in der Schülerzeitung „Der Pilot“ der Remshaldener Ernst-Heinkel-Realschule (Überschrift: „Spinner oder Schlagerprinz?“, nachzulesen auf der Anders-Website. Also wurden die Redakteure Friedrich Reusch und Dominik Seemann zur Feier eingeladen. Sie dürften sich beim Konzert in der Halle wohl auch gewundert haben, als der angeblich so gedächtnisschwache Schlagerstar dem Publikum gegenüber manches Bonmot Wort für Wort wiederholte, mit dem er schon vor den Journalisten geglänzt hatte....

Aber eines steht fest, und zwar nicht irgendwie, sondern mit Sicherheit: Dieser Mann ist Anders, ist kein pflegeleichter Schwiegermütter-Liebling, wie sonst so die Schlagerstars, sondern einer mit Ecken und Kanten.

Und somit einer, der’s eigentlich nirgendwo so schwer haben müsste wie bei uns.

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