Zu "Ich fordere ein neues Währungssystem" (Fränkische Nachrichten, 16. Dezember)
Leserbrief zum Thema: Globale Finanzdiktatur
Das FN-Interview vom 16.12.02 mit Christian Anders (LANOO) über ein neues Zins- bzw. Währungssystem hat mich angeregt, mich erneut mit der Geldfrage zu beschäftigen. Beeindruckt hat mich der Titel seines Buches: „Der wahre Bankenschwindel – und was man dagegen tun kann - das neue zinsfreie Geldsystem“. Als Buddhist, so LANOO, hat man die Pflicht, die Ursachen des Leidens auf der Welt auszuräumen. Er kam dabei auf das Zinseszinssystem. Zinsbedingt unterliegt die Wirtschaft dem Wachstumsdruck und Hauptzweck der unternehmerischen Anstrengungen ist zunächst, neben dem Gewinn, die Erreichung der Kapitalrentabilität. Je niedriger die Wachstumsrate ist, desto schwieriger wird es für den Unternehmer, die Zinslast dem Gläubiger zu begleichen. Firmenzusammenbrüche steigen bei null Wachstum an, gleichzeitig fallen Gewerbe- und Lohnsteuer weg, die Arbeitslosen steigen an. Der Staat, egal welche Partei gerade regiert, muss sich neu verschulden. Deutschland ist höher verschuldet als alle südamerikanischen Staaten zusammen.
Ein Beispiel soll die immer höhere Verschuldung durch Zinseszins erläutern: Berühmt ist ja die Rechnung mit einem „Pfennig“ zur Zeit von Christi Geburt zum Zinseszinssatz von 4% angelegt. Im Jahre 2000 würde diese Anlage einem Geldvermögen von 270 Erdkugeln aus purem Gold zu 20 Mark pro Gramm entsprechen. Mit dem Zinseszins verselbständigt sich das Gelddenken von der sozialen Realität zu einem selbständigen Wert, einer Ware an sich. Geld kann aber nicht mehr sein als das, wofür es steht in der Warenzirkulation, im Leihgeld und im Schenkungsgeld. Bereits seit Jahrzehnten muss ein Zinssystem in schwerste Krisen geraten und schließlich zusammenbrechen. Braucht nicht die amerikanische Administration Kriege, um den Zusammenbruch der US-Wirtschaft zu verhindern? Japan ist bereits außer Kontrolle und findet trutz Nullzinsen nicht zum Wachstum zurück. Aber gegen wen soll Japan Krieg führen, provokativ gefragt? „Wir leben in der schwersten Wirtschaftskrise in der modernen Geschichte“ so M Chossudovsky im Buch „Global Brutal“.
Rudolf Steiner (1861 bis 1925) brachte den Begriff des alternativen Geldes als Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld. Silvio Gesell (1862 bis 1930) wollte das zinslose umlaufgesicherte Geld, auf welchem das Buch von C. Anders aufbaut. Das Freigeld, auch Arbeitswertschein bezeichnet, brachte 1932 bis 1933 in Wörgl/Österreich einen solchen Erfolg, dass nach einem Jahr die Zahl der Arbeitslosen um 25% sank. Als weitere Gemeinden das Freigeld einführen wollten, wurde es am 15. September 1933 verboten (Verwaltungsgerichtshof Wien 18. September 1933). (Siehe auch Fritz Schwarz: „Das Experiment von Wörgl“) – Was kann heute im so genannten „alten Europa“, so Verteidigungsminister Rumsfeld, gegen die sich immer weiter ausbreitende Angst vor Krieg und Arbeitsplatzverlust getan werden? Wir haben zwei Pioniere (siehe oben) in Mitteleuropa gehabt, die als Vordenker gelten können.
Jeder von uns ist heute aufgefordert im Zeitgeschehen zu leben, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und auf Hoffnung von oben zu warten. Wir haben gegenüber unseren Kindern und Enkeln die Pflicht, diese Erde gegen eine zerstörerische, globale Finanzdiktatur zu bewahren, uns selbst zu befreien vom Gedanken, dass die Zeit Geld sei (time is money). Beginnen wir noch heute, indem jeder, der die soziale Frage ernst nimmt, sich sachkundig macht. Wenn viele ihre Sicht über Geld- und Bodenrecht erweitern, steht uns auf der Erde eine lebenswerte Zukunft, frei von Angst und Hektik bevor. Es lebe das „Neue Europa“!
Norbert Schenkel, Königshofen
Anmerkung:
Wir haben uns sehr über den Lesebrief von Herrn Schenkel gefreut und freuen uns noch mehr unseren Lesern mitteilen zu können, dass Herr Schenkel auch das Vorwort zum neuen Buch von Christian Anders „Der RUB€L MUSS ROLLEN “ geschrieben hat.
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