Marbacher Zeitung, Dienstag, 18. Januar 2005

Christian Anders feierte seinen 60.Geburtstag in Jux

„Versuche immer noch, erwachsen zu werden“

Musikalisch wurde der ehemalige Schlagerstar bei seinem Auftritt von der Gitze Roadshow unterstützt

Spiegelberg-Jux. Der „Zug nach Nirgendwo“ machte Station im bis dato beschaulichen Dorf. Dort feierte der ehemalige Schlagerstar und literarische Rebell Christian Anders mit einem Konzert in der Gemeindehalle seinen 60. Geburtstag. Mit dem Event versetzte der Ex-Barde den gesamten Flecken in einen regelrechten Ausnahmezustand.

Dass seine Gedankengänge zur Zeit hauptsächlich um Geld, Staatsverschuldung, Bundesbank und Zinsen kreisen, interessiert die knapp 200 Gäste wenig bis gar nicht. Sie wollen „ihren“ Christian singen hören. Und zwar gleich. Seine geplante Lesung komprimiert er auf ein kurzes Gedicht, nimmt daraufhin fast beifällig das Wort „Zug“ in den Mund und schon ist es passiert. Seine – zumeist weiblichen – Anhänger grölen den Hit schon mal vorweg, bis die Musiker der Gitze Roadshow, die den Abend zusammen mit ihm gestalten, ihre Instrumente in die Hand nehmen.

„Einsamkeit hat viele Namen“ grölen die weiblichen Stimmen in den vordersten Reihen. Bei der Mega-Schnulze „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ gibt es schier kein Halten mehr. Die besonders euphorischen Fans zünden Wunderkerzen an, halten ihre Feuerzeuge in die Höhe und sind völlig verzückt. Die Gänsehautstimmung beim intimen Konzert springt auf das Geburtstagskind über. Das bedankt sich artig beim Publikum dafür, dass es ihn nicht vergessen hat.

Rund zehn Jahre lang lebte Christian Anders in Los Angeles. Dass er vier Jahre beim Schauspieler Sean Connery in Marbella untergekommen ist und dort „viele wilde Sachen“ gemacht hat, kann er nicht oft genug erzählen. Er war schon obdachlos und Multimillionär. Den Verlust seines gesamten Geldes bereue er aber nicht.

Auf seine Vergangenheit als Schlagerstar lässt Anders sich ungern reduzieren. Er sieht sich inzwischen unter anderem als Autor, Schauspieler, Regisseur, Produzent, Karatesportler und Fotomodell. Insgesamt 16 Bücher hat der Paradiesvogel in den vergangenen fünf Jahren im Straube-Verlag veröffentlicht. Seine drei neusten Werke, „Literarischer Rebell“, „Das Buch zum Lebenswerk: Über Nacht ein Star“ (Straube-Verlag) und „Die autorisierte Biografie: Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf) stellt er seinem Publikum am Samstagabend gleich vor.

Unter seinem Alias Lanoo lässt er erkennen, dass er sich dem Buddhismus zugewandt hat. Eigentlich vereint das Multitalent drei Namen: Getauft wurde Christian Anders als Antonio Schinzel. „Der Christian. Der Antonio. Der Lanoo“. So hätte ihn Hitparaden-Moderator Dieter Thomas Heck in den Siebzigern wahrscheinlich angekündigt. Seine „Hälften“ haben sich noch nie gestritten, betont er beim Pressegespräch und: „Wer schizophren ist, ist nie alleine“. Als Christian Anders gehe er auf Tourneen. Als Lanoo singe er buddhistische Eigenkompositionen. Ihn wegen seiner Passion als Guru zu titulieren, mag er nicht. Das sei schlichtweg „Blödsinn“. Denn Lanoo bedeute „Schüler“, und als solcher sehe er sich.

Seit seinem zwölften Lebensjahr feiere er keine Geburtstage mehr. Dass sein 60. ausgerechnet im 2000 Seelen-Dorf stattfinde, habe er seiner Verlegerin Elke Straube zu verdanken. Und nicht nur das. Sie hat sich auch um die Geburtstagseinladungen gekümmert. Da habe sich der Christian völlig rausgehalten.

Wahrscheinlich weiß er heute gar nicht mehr, wo er am Samstag seinen Ehrentag verbracht hat. „Ich erinnere mich immer so schlecht an irgendwas und weiß oft nicht mehr, wo ich gestern war“. Wie 60 fühle er sich jedenfalls nicht. „Ich versuche immer noch, erwachsen zu werden“.

Zudem sei er ein „sehr fauler Mensch“. Das Schreiben strenge ihn nicht an. „Darin hab ich einfach Talent“, behauptet er, liest zwischendurch eine SMS und knüpft wieder ans Thema an. „Innerhalb von ein paar Wochen habe ich ein Buch fertig geschrieben“.

Die Veranstaltung am Samstag ist als Hommage an das Multi-Talent Christian Anders gedacht und resultiert aus der Zusammenarbeit des Vereins Litera Freak in Ludwigsburg unter dem ersten Vorsitzenden Ralf Preusker sowie dem Betreiber der Veranstaltungsagentur Dillinger-Booking und Sänger der Gitze Roadshow, Günther Deyhle. Ihnen sowie der Verlegerin Elke Straube haben es die Juxer zu verdanken, dass der berühmte Sänger bei ihnen Station macht, musiziert und sein Leben in einer Ausstellung mit alten Schallplatten, Fotos und Plakaten zeigt.

„Happy Birthday, lieber Christian“, singen die Fans. Sie sehen in ihm lediglich den Schlagerstar. Über seine Theorien in Sachen Bankenschwindel und Darwins Irrtum kann man sich streiten. Fürs Publikum zählt erst mal die gute Laune, denn: „Die Welt, sie ist schön“.

ano

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