Kornpresse, 11 / August 2004
Sport- und Kulturzeitschrift Kornwestheims
Die Bücher von Christian Anders
Von Ralf Preusker
Christian Anders – Schlagerstar? Guru? Viele kenne ihn als Schlagerstar aus den Sechzigern und Siebzigern – mit Zigarillo posierend vor seinem Rolls auf einem bleichen, 30 Jahre alten Bild. Anderen stößt er sauer auf: Medienrummel, Buddhismus, Amerika und Querdenkerei. Doch die meisten Leute kennen Anders nicht als Schriftsteller und als Menschen. Und genau das ist er nämlich auch: Ein Mensch gebliebener Künstler – ein Multitalent ohne Gleichen. Aber gehen wir mal weg vom Schlagerrummel. Beschäftigen wir uns mal mit einem, der Schreiben kann und wirklich fundiertes Wissen besitzt. 12 Bücher hat er mittlerweile veröffentlicht. Manche zunächst in den USA, andere gleich nach seiner Rückkehr hier in Deutschland. Wie wäre es mit Esoterik und Buddhismus? Da sind Sie mit seinen Werken zum Thema bestens bedient. Aber darüber schreibe ich jetzt mal gar nichts, das würde diesen Rahmen sprengen. Ich schreibe viel lieber über eins seiner kritischen Werke, die ich in der letzten Zeit in die Finger bekommen habe.
1. DER RUB€L MUSS ROLLEN
Auf dem mit Heilslehren und Belehrtexten überschwemmten Buchmarkt ist es immer wieder ein gutes und erlösendes Gefühl, wenn eine seltene Ausnahme ins Auge sticht: Ein radikales, informatives und dabei nicht zwanghaft belehrendes Buch. Eine dieser wenigen Ausnahmen ist sicherlich dieses Werk. Kein anderer Autor hat sich bislang mit dem Geld und der dahinter stehenden Politik ihn solcher Weise beschäftigt. Wir schleppen die Scheine und Münzen in unseren Taschen umher, ohne überhaupt zu wissen, was hinter Papier und Metall so alles steckt. Wir spüren lediglich, wenn es uns ausgeht. Christian Anders – ein sehr gut informierter Autor, der weiß, von was er schreibt – zeigt uns neben der Geschichte der Geldpolitik auch die vielen Haken dieses Systems auf. Anders hat akribisch recherchiert. Er kritisiert die Zinspolitik aufs Schärfste; er analysiert den aufgezwungenen „Heilsbringer“ Euro und zeigt uns die gnadenlosen Machenschaften der Banken auf, die ja eigentlich von uns leben und nicht wir von ihnen. Die Idee vom zinsfreien, umlaufgesicherten Währungssystem ist keine Utopie: Die meisten Probleme haben einfache Lösungen. Sicherlich ist das Buch keine einfache Kost für den Leseabend im trauten Bettchen. Dennoch sollte es gelesen werden, denn auch ein Buch auf „Raten“ kann das Bewusstsein erweitern. Trotz der Wut über den Inhalt des Stoffes macht dieses Werk Mut und Hoffnung, denn es gibt Wege aus der Misere. Vielleicht wird es dereinst einer der hohen Herren verstehen und umsetzen. Keine seiner Thesen bleibt ohne Beweisführung und ohne einleuchtende Beispiele aus Politik und dem sogenannten „wahren“ Leben. Dennoch ist der Autor kein (be-)Lehrer; stattdessen ist er ein Aufklärer, ein Deuter und ein ideenreicher Autor. Seine niedergeschriebene Philosophie zeigt neue Wege auf, die nicht in irgendwelchen utopischen Gefilden zu Hause sind. Seine Ideen sind einfach zu verstehen, ja, so leicht, dass es sicherlich auch die Machthaber und Besserwisser und Gleichgültigkeitsfanatiker verstehen und sogar auch umsetzten können. Wunderbar ist das im Appendix abgedruckte Gedicht „Der Hai“ – ein genialer tucholskyesker Text – schräg, witzig, skurril.
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