Das für
den 7. Dezember 2002 angekündigte Weihnachtskonzert mit Christian Anders
wird nicht in der Kirche Schellerhau stattfinden, sondern im
Knappensaal Altenberg. Diese Änderung ergab sich nach
Beginn des Vorverkaufs. Was war passiert?
Christian Anders, der eine CD „Fröhliche Weihnacht auf der Welt“
aufgenommen hat, wollte für diese Lieder den ganz besonderen, stilvollen
Rahmen: eine Kirche zur Vorweihnachtszeit. Veranstalter und Kirchenvorstand
von Schellerhau sprachen über die Details und setzten für das Konzert
eindeutige Prämissen, um sich in den kirchlichen Rahmen würdig einzufügen.
Ein Konzert, ausschließlich mit Weihnachtsliedern, das Ave Maria als krönender
Abschluss, live gesungen natürlich. Ein kultureller Höhepunkt in der
Vorweihnachtszeit sollte es sein, ein nicht eben alltägliches Ereignis
für eine sonst kulturell nicht gerade verwöhnten Region und ihre Gäste.
Am 15.11 02 wurde dieser Traum zerstört - fernmündlich erreichte
den Veranstalter die Nachricht, dass die übergeordnete Kirchenbehörde
die Veranstaltung „unter dem Dach der Kirche“ untersagt habe. Christian
Anders hat nicht die richtige Religion. Er ist Buddhist, er identifiziert sich
nicht mit den Inhalten christlichen Glaubens. Inwieweit das für eine Stunde
Konzert notwendig ist, möge jeder für sich entscheiden.
Christian Anders ist ein sehr toleranter Mensch, der alle religiösen Schriften
kennt und selbst schon viel darüber veröffentlicht hat. Im Zusammenhang
mit der Existenz verschiedener Götter und Religionen und die Frage, wie
damit umzugehen sei, schrieb er 2001, dass die Gläubigen (und er schließt
sich da ein) nicht nur das Recht, „...sondern auch die Pflicht
haben, in friedlicher Koexistenz ihren Glauben auszuüben, ohne
ihn anderen aufzuzwingen.“ „ohne ihn anderen aufzuzwingen“
steht für Toleranz und Verständnis und zieht eine eindeutige Grenzlinie
zu - wie ihm gern von den Medien unterstellt wird - Sekten-und Guruwesen.
Er sagt wörtlich: „Wer nun also seinen Gott von
ganzem Herzen liebt und ihm folgt, der soll dies tun ohne anderen das Recht
abzusprechen, Ihren Gott zu lieben und Ihm
zu folgen...“.
Diese Ansichten von Christian Anders hielten Veranstalter und Management für
eine tragfähige Grundlage für ein Konzert in einer Kirche, wurden
aber eines besseren belehrt. Die Gedanken schweifen zu dem großen Aufklärer
und Humanisten Lessing, der, nach der „rechten Religion“ befragt,
seinen weisen Nathan sagen lässt: „...es eifre jeder seiner unbestochnen,
von Vorurteilen freien Liebe nach...“ von Vorurteilen frei!
Wird das ein Wunschtraum bleiben? Im Deutschland des 21. Jahrhunderts wird ein
Mensch wegen seiner Religion vorverurteilt.
Ich möchte die Reaktion unserer lieben Freunde und Helfer in den Vorverkaufsstellen,
der Leute, die bereits Karten gekauft haben, nicht verhehlen: Ärger, Enttäuschung,
Unverständnis! Ich zitiere: „...mit dem gesunden Menschenverstand
nicht nachvollziehbar!“
Und was sagt Christian Anders selbst dazu? Er ließ wissen, dass er dahin
kommen werde, wo man ihn singen lässt uns seine Fans und Freunde der weihnachtlichen
Musik auf ihn warten - und das ist der Knappensaal Altenberg. Ein herzlicher
Dank gilt dem Inhaber Herrn Giemsa, der ohne viel Federlesen in die Bresche
sprang und so die Enttäuschung all derer, die sich schon lange auf das
Konzert freuen, in Grenzen hält.
Tag und Uhrzeit bleiben, bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.
Schade für unsere lieben Freunde aus Schellerhau und Bärenfels, schade
für das wunderschöne kleine Kirchlein, das an diesem Abend auch von
Menschen bestaunt worden wäre, die sonst nicht unbedingt Kirchgänger
sind.
Christian Anders, der Sänger, antwortet mit einem Lied: „Stell ein
Licht in dein Herz, das die Nacht erhellt...“ Na ja, es ist sehr viel
Nacht im Moment, das findet
Elke Straube, Verlegerin.