Fränkische Nachrichten, vom 16.12.02

Christian Anders im FN-Interview:
„Ich fordere ein neues Währungssystem!“

In seinem Buch prangert der Sänger und Autor den „wahren Bankenschwindel“ an

Er ist immer wieder für Schlagzeilen gut. Ob Show oder Realität, Genie oder Wahnsinn – an ihm scheiden sich die Geister. Berühmt wurde er mit Hits wie „Geh nicht vorbei“ oder „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“. Heute singt er zwar auch noch, doch viel mehr beschäftigt sich der gebürtige Österreicher Antonio Schinzel mit dem Bücherschreiben. Zehn hat er inzwischen herausgegeben. Sein neuestes Werk heißt „Der wahre Bankenschwindel“ und ist im Verlag Elke Straube (Geising) erschienen. „Der Zins ist der Krebs unserer Gesellschaft und unseres Währungssystems“, sagte Anders gestern im FN-Interview.

Christian, im Kapitel „Es fährt ein Zug ins Irrenhaus“ behauptet Dieter Bohlen in seinem Buch, Sie seien schon vor 20 Jahren „ein bisschen gaga“ gewesen. Stimmt das?

Anders: An das Ereignis, das er schildert, kann ich mich gar nicht erinnern. Ich soll mir in einem Restaurant einen Pickel ausgedrückt haben. Dabei hatte ich schon immer eine reine Haut.

Wie finden Sie diese Art der Kollegenschelte?

Anders: Er hat sein Buch sehr spekulativ aufgezogen. Dadurch, dass er über seine Kollegen geschrieben hat, haben die das Buch auch gekauft.

Nicht nur die Kollegen.

Anders: Auch viele andere. Die Leute hoffen, dadurch Einblicke zu bekommen, die sie sonst nicht hätten. Eigentlich besteht das Werk ja aus Kurzbiographien über andere Stars. Die Neugier der Menschen ist wohl groß. Das Buch ist nicht schlecht geschrieben, ich finde es sogar lustig. Nur hätte er bei der Wahrheit bleiben müssen.

Auch Sie haben ein neues Buch geschrieben, nämlich über den „wahren Bankenschwindel“. Wie lange haben Sie dafür recherchiert?

Anders: Zwei Jahre. Ich fordere ein neues, zinsfreies und im Umlauf gesichertes Währungssystem. Das alte System ist auf Zins und Zinseszins aufgebaut. Es klingt zwar seltsam, aber das Geld soll im Wert abnehmen. Dadurch wird es in den Umlauf gezwungen. Der Geldumlauf muss stimmen. Im Augenblick haben wir eine Staatsverschuldung von 1,23 Billionen Euro. Der Abstieg der Staatsverschuldung beträgt 2000 Euro. Was meinen Sie – 2000 Euro im Monat oder am Tag?

Am Tag.

Anders: In der Sekunde! 140 Millionen Euro pro Tag wächst der Zins. In Amerika ist man bei einer Milliarde Dollar pro Tag. Die Bundesrepublik Deutschland ist pleite. Unser Währungssystem wird irgendwann kollabieren, weil Zins und Zinseszins dermaßen ansteigen. Der Zins ist der Krebs unserer Gesellschaft und unseres Währungssystems.

Wie kommt jemand, der dem Buddhismus und den esoterischen Wissenschaften zugeneigt ist, dazu, sich so eingehend mit Geld zu beschäftigen?

Anders: Buddha hat gesagt, man muss die Ursache des Leidens ausräumen. Das gilt auch für das tägliche Leben. Und da bin ich auf den Zins bzw. das Währungssystem gestoßen. Meine Bücher firmieren unter „esoterische Wissenschaften“. Ich schreibe keine Romane darüber, dass ich plötzlich Geister und Engel sehe. Sie sind auf Logik aufgebaut. Ich sage auch voraus, dass man bald Generationsverträge unterschreiben wird. Unsere Kinder werden die Staatsschuld anerkennen müssen.

Ihr Buch ist für gewisse Kreise nicht sehr bequem. Gab es auch schon Drohungen während ihrer Recherchen?

Anders: Ja, auch an Leute, die das Vorwort schrieben wollten.

Frau Professor Irmgard Schäuble zum Beispiel?

Anders: Ja. Sie ist die Leiterin des Kompetenzteams Film und Fernsehen bei der Deutschen Bank in Köln und hatte mich sogar gebeten, mit der Veröffentlichung zu warten, weil sie unbedingt das Vorwort schreiben wollte. Doch dann hat sie von oben wohl einen Wink bekommen. Ich hatte sie noch gefragt, ob sie das wirklich machen will. Und dann rief sie eines Tages meine Verlegerin an und sagte ab.

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hat Sie öffentlich kritisiert. Sie sollten es den Experten überlassen, sich mit Banken zu beschäftigen.

Anders: Gerade, weil wir es den Experten überlassen haben, ist ja alles schief gelaufen! Deshalb sind wir jetzt höher verschuldet als alle südamerikanischen Länder zusammen. Ich schrieb das Buch als Laie für Laien. Die meisten haben ja keine Ahnung von diesen Dingen, weil sie glauben, sie seien zu kompliziert. Das sind sie aber nicht! Unsere Politiker habe jedoch oft von ihren Ressorts keine Ahnung. Wenn es Probleme gibt, werden sofort Kommissionen einberufen. Ich habe doch diese Politiker als Experten gewählt! Nehmen wir Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die von meinem Bruder Dieter Schinzel erst in die Politik gebracht und gefördert wurde. Sie ist eigentlich ganz nett. Aber sie hat keine Ahnung von ihrem Ressort. Sie sagt, die Krankenkassenbeiträge werden gesenkt, dabei werden sie dauernd erhöht! Mit der Einberufung der Kommissionen demonstriert sie ihre eigene Ahnungslosigkeit.

Andererseits steht es mit ihrer Glaubwürdigkeit nicht gerade zum Besten. Ich denke da nur an die Geschichte mit ihrer Freundin Jenna, die sie angeblich an einen Millionär ausliehen, um ihre Schulden zu begleichen. Doch die Story stelle sich als unwahr heraus.

Anders: Mich muss man so nehmen wie ich bin. Man muss das Showgeschäft und meine Bücher trennen. Wenn ich meine Vorträge halte und über meine Werke spreche, dann sehen die Leute sofort, was los ist. Sie können unterscheiden zwischen Show und Realität.

A propos Realität. Sie haben Ozzy Osbournes Hit “Dreamer” in deutsch aufgenommen.

Anders: Noch bin ich am Überlegen, ob ich die Platte herausbringen soll. „Der Tag, an dem die Erde still stand“ läuft nämlich noch sehr gut.

Sie hörten „Dreamer“ und spürten sofort, das ist ihr nächsten Lied?

Anders: Gleich beim ersten mal wusste ich, dass ich es auf deutsch singen werde.

Sind sie denn ein Träumer?

Anders: Ja, klar! Wenn es sein muss, träume ich. Aber ich sehe auch der Realität ins Auge. Das Lied handelt übrigens von der Realität. Ozzy besingt die vielen Probleme in der Welt. Aber er rennt weg vor diesen Problemen. Er entflieht in den Traum. Doch was unsere gegenwärtigen Probleme anbelangt, kann man eben nicht in einen Traum entfliehen.

(von Sabine Küssner)

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