Interview mit der Ostthüringer Zeitung, vom 28.06.02

Zug nach Nirgendwo hält im Nirvana

Gespräch mit Christian Anders über Musik, Geld und Erleuchtung - Schlagersänger morgen im Ronneburger Schützenhaus

Als Christian Anders singt er. Als Lanoo schreibt er über Spirituelles. Der Schlagerstar verprasste sein vermögen, flüchtete nach Los Angeles. Dort kam ihm die Erleuchtung. So lehrt der 57-Jährige u.a., dass der Affe vom Menschen abstammt. 1999 kehrte Anders oder Lanoo nach Deutschland zurück und arbeitete seine Steuerschulden ab, eine Million Mark sollen es sein.

Was bringen Sie morgen Abend mit?

Damit habe ich öfters ein Problem. Bin ich Sänger, Autor, Komponist oder Texter?

Ein Mann mit bürgerlichem Namen Antonio Schinzel.

Ich hoffe, ich kann beides vereinen: über meine Bücher sprechen und meine Lieder singen.

Viele Leute wollen aber nur ihre alten Songs hören.

Früher habe ich schon zu meinen Liedern Bücher geschrieben und vorgestellt.

Früher. Die Veranstaltung ist als Konzert angekündigt.

In einem Konzert kann und sollte der Künstler seine verschiedenen Fähigkeiten und Ambitionen zeigen.

Einer Ihrer Hits war "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo". Wohin fährt Ihr Lebenszug?

Als Buddhist sage ich: Unser aller Zug fährt zur Quelle zurück.

Und wo ist die ?

Im Nirvana. Dort ist man frei von allem verlangen.

Wonach verlangen Sie im Heute?

Weiter Bücher zu schreiben, zu komponieren, Alben heraus zu bringen.

Und endlich die Steuerschulden vom Hals zu haben?

Die sind längst abgezahlt, nur die Versäumniszuschläge noch nicht. Die betragen um die 60.000 Euro.

Haben Sie es bereut, Millionen von Mark verschleudert zu haben?

Überhaupt nicht.

Warum?

Das war nötig und wichtig. Das hat Spaß gemacht. Im Scherz hab' ich mal gesagt, wenn ich wieder 20 Millionen verdienen würde, dann könnte ich die wieder zum Fenster rauswerfen.

Zu Ihren besten Zeiten strömten Tausende Leute in Ihre Konzerte und heute kommen gerade mal 200.

Das Höchste waren 30.000. Ich habe gern auch weniger.

Glaube ich nicht.

Doch. Bei einer Veranstaltung waren einmal nur 50 oder 60 geladenen Gäste da. Das hat mir Spaß gemacht.

Weil Sie nicht ausgebuht worden sind.

Ich habe über meine Bücher gesprochen und ein paar Lieder gesungen. Alle waren begeistert.

Kommt nach Ronneburg Ihr Leibwächter mit?

Ich weiß gar nicht, ob er Zeit hat. Er ist in Berlin. Mal sehen.

Zum Beschützen brauchen Sie ihn also nicht?

Ach nö.

Sind Sie noch mit Jenna zusammen?

Ich will noch erwähnen, dass demnächst mein neustes Buch "Der wahre Bankenschwindel" herauskommt. Da ist Günter Oggers "Nieten in Nadelstreifen" Peanuts.

Über Banken haben schon viele Autoren philosophiert. Was ist bei Ihnen das Sensationelle?

Der wahre Schwindel findet dort statt, wo wir ihn gar nicht vermuten - beim Drucken des Geldes. Eine Milliarde Euro zu drucken kostet nur 5000 Euro.

Woher wollen Sie das wissen?

Von pensionierten Bankern. Und weil ich mich ein Leben lang damit beschäftigt habe.

Bleiben wir beim Geld. Was ist nun mit Jenna, die Sie für eine halbe Million an den Bochumer Michael Leicher verhökert haben?

Das war ein Scherz. Neben uns saß einer von der Bild-Zeitung, und so entstand die überzogene Story. Ich wohne mit Jenna in Baden-Baden.

Das Gespräch führte Ilona Berger.

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