Fränkische Nachrichten, vom 02.10.01
"Es ist gar nicht so schlecht, wenn man unterschätzt wird"
Der Sänger und überzeugte Buddhist kann damit leben, dass er oft nicht ernst genommen wird, Einheit der Religion als Gebot der Stunde.
Die drei Punkte verheißen nichts Gutes. "In einer nahen Zukunft..." steht über dem Bild. Es zeigt ein Szenario, wie es vor wenigen Wochen noch unvorstellbar war. Das World Trade Center wird von einem Dämon angegriffen, auf den Straßen herrscht Chaos, Menschen laufen schreiend davon. Die Illustration stammt aus dem Buch "Der Sinn des Lebens, Teil II", das Christian Anders im März 2000 veröffentlichte. Trotz dieser Vorahnung sagt der Sänger, der zum Buddhismus überwechselte und sich Lanoo nannte: "Ich bin kein großer Seher."
Solange keine Einheit zwischen den Religionen herrsche, gebe es auch keinen Frieden, meint der Mann, der eigentlich Antonio Schinzel heißt und mit dem Lied "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" zur Legende wurde. Momentan steht er im Studio und nimmt "Der Tag, an dem die Erde stillstand" auf, ein Song, den er zu der Katastrophe in Amerika schrieb. Kürzlich zog er mit seiner Freundin von Berlin nach Baden-Baden. Die Beziehung zu ihr machte Schlagzeilen: er verkaufte Jenna angeblich an einen Millionär, um seine Schulden zu bezahlen. An dieser Geschichte ist jedoch nichts wahr, "beichtete" er im Gespräch mit den FRÄNKISCHEN NACHRICHTEN.
FN: Christian, Sie haben vorausgesagt, dass George W. Bush Präsident von Amerika wird - bevor er bekanntgab, dass er kandidiert-, und Sie sahen bereits im letzten Jahr den Terroranschlag auf das World Trade Center vorher. Haben Sie manchmal Angst vor sich selbst?
Anders: Nein. Es gibt eben Menschen, die sensitiver sind und so etwas in ihrer mentalen Aura sehen. Wenn man sich mit solchen Dingen befasst, sind die Abläufe der Zeit, wie Einstein auch schon in seinem Raumkontinuum bewies, anders. Da passieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Einem. Ich bin kein großer Seher. Jemand, der sich wirklich konzentriert, kann sich in der Meditation auf diese Ebene begeben. Jeder normale Mensch könnte sich da hintrainieren und in Träumen, aber auch in der Meditation, Dinge sehen, die geschehen werden..
FN: In den Augen vieler Menschen gelten Sie als Spinner.
Anders: Ach, wissen Sie, meine spirituelle Lehrerin hat prophezeit, dass meine Bücher erst in einhundert, zweihundert Jahren richtig akzeptiert werden.. Das ist jetzt nur so eine Art Vorarbeit. Es ist gar nicht so schlecht, wenn man unterschätzt wird. Und so kann ich mir den Satz von George Bush nur aneignen: It makes the victory easier. Wenn man unterschätzt wird, macht das den Sieg leichter. Schon in meinem Buch "Der Mann, der AIDS erschuf" warnte ich zum Beispiel vor bakteriologischen Kriegen. Wenn man nur von Wenigen ernst genommen wird, ist es auch leichter, unbequeme, gefährliche Theorien zu verbreiten.
FN: Wie erklären Sie sich diesen Hass, den die Terroristen empfunden haben müssen?
Anders: Das ist nationales Karma.- Juden, Christen und Moslems sind in der Geschichte schon mehrmals auf einander losgegangen. Ohne die Erklärung von Karma kann man das gar nicht verstehen. Liebe und Hass sind immer da, Leben für Leben. Und man trifft sich wieder in Liebe und in Hass. Diese zwei großen Bindungen verursachen die Reinkarnation - sei es von einem einzigen Menschen oder von einem ganzen Volk. Der Täter wird zum Opfer, das Opfer zum Täter. Und deshalb: so lange es keine Einheit zwischen den Religionen gibt, haben wir keinen Frieden auf Erden. Neue Gesetze allein greifen da nicht. Es muss eine Botschaft geben, die Religion und Wissenschaft vereint. Und diese Botschaft enthülle ich in meinen beiden Büchern "Der Sinn des Lebens, Teil I und II". In meinem Buch "God" steht: Ihr habt alle recht, wenn ihr die Essenz eurer Schriften versteht und nicht alles darin wörtlich nehmt.
FN: In den letzten Monaten standen Sie mehr wegen Ihres Privatlebens als wegen neuer Hits in den Schlagzeilen. Haben Sie es schon einmal bereut, die Beziehung zu Ihrer Freundin so öffentlich gemacht zu haben?
Anders: Das war eine verrückte Idee. Da gibt es ja diesen Film mit Robert Redford, "Ein unmoralisches Angebot", und daraus machte der Mann von der Bild-Zeitung einen Riesenartikel. Aber an dieser Geschichte ist nichts dran, gar nichts. Jenna ist genauso wenig käuflich wie ich - mit einer Einschränkung: Mich kann man für Auftritte haben.
FN: Was würden Sie nie machen - nicht für alles Geld der Welt?
Anders: Etwas, von dem ich nicht überzeugt bin.
FN: Sie treten einmal in der Woche in einem Hotel in Mallorca auf, produzieren gerade eine neue Platte. Wird aus Lanoo wieder Christian Anders?
Anders: In mir wohnen Christian Anders, Lanoo, Antonio Schinzel und viele andere. Man kann mich nicht mit Begriffen einstufen. Ich bin auch kein Schlagersänger. Der Hörer muss sich selbst aussuchen, was ich für ihn bin. Ein Künstler ist immer auch ein Spiegel seiner Zeit. Deshalb schrieb ich jetzt das Lied "Der Tag, an dem die Erde stillstand".
FN: Wer ist Christian Anders eigentlich wirklich?
Wer und was wir wirklich sind, ist unerkennbar. Man kann sich selbst nicht beschreiben und auch nicht finden. Was man beschreiben kann, ist das, was man nicht ist. Alles ist der Veränderung unterworfen. Zum wirklichen Selbst kommt man nicht, indem man es findet, sondern indem man das loslässt, was man essentiell nicht ist. Die ganze New-Age-Philosophie, mit der Milliarden von Mark gemacht werden, ist ein einziger großer Schwindel. Sas Selbst kann nicht gefunden werden. Es ist nämlich das, was sucht.
(von Sabine Küssner)
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